Es gibt einen wichtigen Unterschied, der oft übersehen wird: Digitale Pathologie und die Digitalisierung des histopathologischen Dienstes sind nicht dasselbe. Ersteres bezieht sich auf den Ersatz des Mikroskops durch hochauflösende digitale Bilder zu diagnostischen Zwecken. Letzteres umfasst den gesamten Prozess: vom Eingang der Probe bis zur Übermittlung des Befundberichts an den anfordernden Arzt.
Wenn sich ein Pathologe an seinen Bildschirm setzt, um einen Fall zu begutachten, benötigt er weit mehr als nur das gescannte Bild des Objektträgers. Dieses Bild ist das Endergebnis einer Prozesskette, die den Probenempfang, die Paraffineinbettung, das Schneiden der Schnitte, die Färbung, das Scannen und die technische Validierung umfasst. Jedes Problem in dieser Kette wirkt sich auf die Diagnose aus.
Damit der Pathologe eine sichere Diagnose stellen kann, benötigt er innerhalb derselben Arbeitsumgebung Zugriff auf:
All diese Informationen werden vom LIS verwaltet. Ohne ein integriertes Informationssystem, das vollständige Rückverfolgbarkeit bietet, verfügt der Pathologe zwar über das Bild, aber nicht über den Kontext. Und eine histopathologische Diagnose ohne Kontext ist eine unvollständige Diagnose.
Die derzeit in regionalen Gemeinden und Krankenhausverbünden umgesetzten Projekte zur digitalen Pathologie haben dies erkannt: Die Modernisierung des LIS und die Einführung des Scanners gehen Hand in Hand. Das ist kein Zufall. Tatsache ist, dass sie nicht getrennt voneinander funktionieren können.

KI-Tools, die histologische Bilder analysieren, benötigen strukturierte Daten, um effektiv zu funktionieren. Das LIS liefert diese Struktur: Probenart, Vorbefund, verwendete Färbung, angewandtes Protokoll. Ohne diese Informationsebene arbeiten die Algorithmen ohne klinischen Kontext, was ihren diagnostischen Nutzen einschränkt.
Ein Archiv digitalisierter Fälle mit strukturierten Daten ermöglicht die übergreifende Suche nach Diagnose, Morphologie, Technik, Zentrum oder Zeitraum. Dies ist sowohl für die tägliche klinische Praxis als auch für Forschung und Lehre von unmittelbarem Nutzen.
Vom elektronischen Auftrag, der im klinischen System generiert wird, bis zur Veröffentlichung des Befunds in der Patientenakte verwaltet das LIS jeden Schritt des Prozesses. Dadurch werden papierbasierte Unterbrechungen vermieden, Übertragungsfehler reduziert und sichergestellt, dass jede Aktion mit Benutzer, Datum und Uhrzeit protokolliert wird.
Das LIS führt eine lückenlose Aufzeichnung aller mit der Probe verbundenen Behälter, aller an ihr durchgeführten Maßnahmen und aller am Prozess beteiligten Geräte. Wenn der Pathologe das Bild betrachtet, weiß er genau, was mit diesem Gewebe seit seiner Ankunft im Labor geschehen ist.
Die Standardisierung der Diagnose durch synoptische Protokolle verbessert die Qualität des Befundes und erleichtert den Datenvergleich zwischen verschiedenen Fällen. Sie bildet zudem die Grundlage für retrospektive Analysen und für die Integration mit Tools der künstlichen Intelligenz.
Ein LIS mit einer standortübergreifenden Architektur ermöglicht es mehreren Krankenhäusern, Fälle auszutauschen, die Arbeitslast zu verteilen und die Rückverfolgbarkeit zwischen verschiedenen Standorten zu gewährleisten. Dies ist besonders nützlich in Netzwerken der digitalen Pathologie, in denen ein einzelner Pathologe Fälle von mehreren Standorten aus von einer einzigen Workstation aus begutachten kann.
Nicht alle Informationssysteme sind für den Einsatz in einer digitalen Pathologieumgebung geeignet. Bei der Bewertung eines LIS für diesen Kontext ist es ratsam, zu prüfen, ob es mindestens folgende Funktionen abdeckt:
Die digitale Pathologie verändert den Ort, an dem die Diagnose gestellt wird, eliminiert jedoch keine Schritte aus dem vorangehenden Prozess. Der diagnostische Wert hängt weiterhin von der Qualität der Probe, der korrekten Anwendung technischer Protokolle und der Verfügbarkeit vollständiger klinischer Informationen zum Zeitpunkt der Befundung ab.
Das LIS ist die Infrastruktur, die sicherstellt, dass all dies verfügbar, organisiert und nachvollziehbar ist. Ein Projekt zur digitalen Pathologie, das das Informationssystem nicht von Anfang an berücksichtigt, digitalisiert den Dienst nicht: Es ersetzt lediglich das Mikroskop durch einen Bildschirm.
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